Doctor Döblingers geschmackvolles Kasperltheater

Anläßlich der Gründung von Doctor Döblingers geschmackvollem Kasperltheater ist es uns gelungen, ein Gespräch mit dem legendären Kasperl zu führen.

Frage: Sehr geehrter Herr Kasperl...

Kasperl: Ach, sagen Sie ruhig Kasperl zu mir. Is eh wurscht.

Frage: Also gut,. Sehr geehrter Kasperl, nach jahrhundertelangem Wirken auf dem Sektor der humorigen Unterhaltung haben Sie sich 1994 entschlossen, in “Doctor Döblingers geschmackvollem Kasperltheater” mitzuspielen. Warum?

Kasperl: Ja mei, weils mir halt grad so Spaß macht. Ansonst sitz ich ja nur in meiner dunklen Puppenkiste; so aber kann ich die Welt und ihre exotischen Geheimnisse kennenlernen, wie zum Beispiel Turnsäle, Kindergärten und Gärtnerinnen, Schuldirektoren und Mehrzweckhallen...

Frage: Aha, Sie wollen also am liebsten vor Kinderpublikum auftreten.

Kasperl: Ja freilich. Und auch sonst überall. In Kirchen, Telefonzellen und Räuberhöhlen. Der Seppl würde sogar am liebsten in einer Bäckerei spielen.

Frage: So? Gibt es da keine räumlichen Beschränkungen? Sie haben doch ein großes Puppentheater dabei?

Kasperl: Logisch! Das ist gigantisch! Monströs! Und 2 Meter und fünfundsechzig hoch. Dafür aber nur drei Meter achtzig breit. Und wenn die Bäckereien nicht groß genug ist, reißen wir halt mal kurz ein paar Wände ein.

Frage: Ihre unkonventionelle Art läßt ja auf ein organisatorisches Chaos schließen.

Kasperl: Nein. Leider darf ich nicht allzuviel Verwirrung stiften. Das meiste machen dann doch meine Untergebenen.

Frage: Die beiden Puppenspieler Josef Parzefall und Richard Oehmann?

Kasperl: Genau! Meine Knechte und Sklaven! Mit denen spiel ich ja schon über drei Jahre. Die müssen alles für mich machen. Die Bühne und unsere besonders helle Beleuchtung aufbaun, für mich sprechen, mich auf Händen tragen...

Frage: Müssen die beiden auch die Stücke schreiben?

Kasperl: Nein, das machen wir zu dritt. Ich muß ja aufpassen, dass ich immer die beste Rolle krieg. Das Stückebasteln ist ja immer eine Riesengaudi, wir lachen uns dabei meistens kaputt, letztens hab ich mir vor Lachen sogar die Mütze gebrochen.

Frage: Ohje! Und wer macht in solchen Fällen dann die Mütze wieder heil?

Kasperl: Dann muß ich in die Werkstatt, zu meinem Puppenmacher, dem Oehmann Gregor, der ist so ein Bildhauer, der haut immer die Bilder so dermaßen, dass sie sich vor Schmerzen krümmen und winden. Ich tät das ja nie.

Frage: Ach! Sie wenden also keine Gewalt an. Auch nicht gegen das Krokodil beispielsweise?

Kasperl: Ich darf ja nicht! Ich muß ja den ganzen Tag pädagogisch wertvoll sein!

Frage: Dann sind also Ihre Stücke besonders lehrreich?

Kasperl: Natürlich! Und wie! Da lernen die Kinder lauter lebenswichtige Sachen: Wie man einen Seppl aufweckt, wie man eine Prinzessin fängt, wie man eine Großmutter in einen Krapfen verwandelt. Da ist dann schon pfundweis Pädagogik drin.

Frage: Wie schön! Und wenn man dem Namen Ihrer Bühne Glauben schenken darf, dann ist Ihr Theater auch noch geschmackvoll. Was ist nun das besonders Geschmackvolle an Doctor Döblingers Kasperltheater?

Kasperl: Keine Ahnung. Der Seppl hat ja schon alles probiert, aber der Vorhang schmeckt nach Stoff, das Bühnenbild nach Farbe, und an einem Scheinwerfer hat er sich den linken Eckzahn ausgebissen.

Frage: Zum Schluß noch eine etwas delikate Frage. Immer wieder sind Pressestimmen zu hören, die da behaupten, das Kasperltheater und somit auch der Kasperl wären tot. Nun frage ich einmal Sie als Fachmann: Sehr geehrter Herr Kasperl, sind Sie tot?

Kasperl: Weiß ich nicht. Das hör ich jetzt zum ersten Mal, aber ich erfahr ja eh immer alles als Letzter. Da fragen Sie am besten die Großmutter, ob sie auf meiner Beerdigung war, die geht ja auf jede Beerdigung, wissen Sie, die....

Frage: Jaja, schon gut, Herr Kasperl, wir danken für das Gespräch.

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